EU Roadmap for Referral Pathways on Early/Forced Marriage for frontline professionals / Hilfestellungen gegen Frühe/erzwungene Ehen für professionelle Helfer:innen
Ziel des Forschungsprojektes ‚EU Fem Roadmap‘ war es, eine europaweit einsetzbare Roadmap für mögliche Erstkontaktstellen der Betroffenen, etwa Akteur:innen im Gesundheitswesen, Lehrkräfte und Sozialarbeiter/innen in Schulen, Polizeistationen und Beratungsstellen zu erstellen. Ziel ist es, auf der Basis von Befragungen von Opfer auf der einen und Expert:innen auf der anderen Seite Hilfestellungen und Möglichkeiten zu eruieren, um professionelle Berater/innen und Helfer:innen im Umgang mit dem Phänomen Zwangs- und Frühehen in der EU und seiner Bekämpfung zu schulen.
Dazu wurden in insgesamt fünf beteiligten Ländern (Deutschland, Österreich, Frankreich, Portugal, Großbritannien) in multiprofessionellen Gruppen Fokusgruppeninterviews, Experteninterviews und Interviews mit Opfern durchgeführt. Hierbei wurde ein besonderes Augenmerk auf Personen in marginalisierten ethnischen Minderheiten gelegt. Zu den Expert:innen zählen Personen aus dem Bereich des Kinder- und Jugendschutzes, Professionelle im Gesundheitsbereich, im Bildungssystem, aus dem Opferschutz und aus Frauenhäusern. Es werden didaktische Routinen zur Aufklärung der Betroffenen und zur Hilfestellung für diese für die professionellen Helferinnen und Ansprechpartne:innen erarbeitet.
Die erarbeiteten Hilfemöglichkeiten und Lösungsvorschläge sollen dann über die Praxisprojektpartner:innen insbesondere in Osteuropa, Südeuropa und Zentralasien durch den United Nations Population Fund und seine Netzwerke, die mit uns zusammenarbeiten, umgesetzt werden. Zudem können die aufgedeckten Lücken in der Versorgungskette für Handlungsempfehlungen genutzt werden, sodass auch strukturelle und legislative Bedarfe aufgearbeitet werden können. Das Projekt zielt also darauf ab, sowohl praktische Handreichungen für die Praxis vor Ort – auch in Schulen – zu bieten, als auch Optionen für eine langfristige Verbesserung und Wirksamkeit der Unterstützungsstrukturen zu erarbeiten.
Der Lead des Projekts liegt bei der Universität Vechta (Projektleitung: Prof. Dr. Margit Stein; Prof. Dr. Yvette Völschow). Beteiligt sind am Projekt EU Fem Partner:innen aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Portugal, Schweden und Großbritannien, so dass eine international vergleichende Perspektive möglich ist.
Insgesamt entstand eine sogenannte Roadmap in mittlerweile sieben Sprachen, die auch jeweils in einer Kurzfassung verfügbar ist. Sie liegt vor in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch und Türkisch: http://www.femroadmap.eu/
Dauer: 01.01.2016 - 31.01.2018
Förderung: EU-Förderung im Rahmen des ‚Rights, Equality and Citizenship Programmes‘
Projektteam:
Universität Vechta, Fakultät I: Erziehungswissenschaften und Soziale Arbeit
Prof. Dr. Margit Stein (Universität Vechta)
Prof. Dr. Yvette Völschow (Universität Vechta)
Wiss. Projektmitarbeitende: Isabelle Brantl